
| Herfert in der Presse | |
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Er ist zweifelsohne beliebt - und zwar nicht, weil er bequem ist, sondern weil er in all den Jahren sich selbst treu blieb. Er ist kein geselliger Mensch in dem Sinn, daß er stets auf Konzerten oder in Reutlinger Kneipen anzutreffen ist. Er sagt selbst, daß er sich da eher ausklinkt. Sein "Alles-oder-nichts-Denken" läßt ihn eher zurückgezogen leben. Auch das ein Widerspruch zu seinem Laden, wo er sehr viel mit Menschen (auch schwierigen) zu tun hat. Er ist immer bereit, bis ans Äußerste zu gehen - ob im Boxring, in der Musik oder in der Kunst. Und er sagt von sich, da er sich gerne mit anderen mißt. Dabei verliert er aber nicht den Bezug der Realität, macht sich auch über sich selbst lustig und ist dennoch ernst bei der Sache. Soll er sich selbst mit einigen Attributen beschreiben, so wählt er Ehrlichkeit, Mut und große Emotionalität aus. Man nimmt ihm einfach ab, daß das, was er tut, ganz tief aus seinem Inneren kommt. Es gibt mit Sicherheit bessere Sänger, Gitarristen, Boxer und Maler - aber Max tut all das mit einer ihm eigenen Inbrunst, daß es schlechtweg akzeptiert wird. Und er mobilisiert Menschen, zu seinen Auftritten (musikalisch oder künstlerisch) zu kommen. Seine Band "Good'n'Amnd" pausiert gerade, vom Boxkampf zu seiner Ausstellungseröffnung am 21. Mai wird man noch lange reden und Max tut, was er immer tut: Er macht sein Ding. Und genau das ist es, was diesen schwer zu beschreibenden 1,90 Meter Mann mit kräftigem Händedruck und sanfter Stimme ausmacht: Personality.
-Li/Foto: nina
Unter den Neugierigen befand sich auch der Galerist Reinhold Maas, der in der früheren Heinzelmannfabrik genau den Raum hat, der Max Herfert für seine Ausstellung vom 21. Mai bis zum 7. Juni vorschwebte. Darin hat nämlich nicht nur Kunst, sondem auch ein Boxring Platz. Herfert: "Mit den Bildern zeige ich doch einen recht intimen Teil von mir. Boxen gehört aber auch dazu!". Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag um 18 Uhr wird also Max Herfert, viermaliger württembergischer Vizemeister und Sparringspartner von Markus Bott und Alexander Künzler, in den Ring treten und über sechs Runden gegen seinen Freund Bernd Friedrich aus Neuwied (Deutscher Schwergewichtsmeister der Profis 1994) kämpfen.
Ehrensache, daß die Boxerfreunde, an der Spitze Box-Promoter Ebby Thust und René Weller, dabei sein werden. Ein Sportsmann aus Schwäbisch Gmünd erkundigte sich vorsorglich nach der Kleiderordnung im Kunsttempel. Auch aus der Rockmusikszene werden Besucher erwartet, denn Max Herfert, im Brotberuf Musikalienhändler, ist maßgeblich aktiv bei der Band "Good'n'Anmd", die sich auf Rock-Oldies eingeschossen hat. "So kommen Leute dazu, Bilder anzugucken, die das noch nie gemacht haben", schmunzelt Max Herfert. "Die neue Häßlichkeit" als Titel für seine Bilder solle man nicht so wörtlich nehmen, lenkt er ein. Dies wende sich nur gegen die gelackte, langweilige "Schönheit" etwa von amerikanischen Fernsehserien-Gesichtern. Faltige, unebene Gesichter finde er viel interessanter, weil sie vom wahren Leben erzählten. Er wolle schließlich mit seiner Kunst etwas bewegen, um die Menschen zum besseren Umgang miteinander zu bringen. Die ungeschönte Wiedergabe der Wahrheit bedeute keineswegs, daß er sich nicht von ästhetischen Formen entzücken ließe. So sei er ein absoluter Fan von italienischen Automobil-Designern. Die Heckflosse des Ferrari Testarossa sei seiner Meinung nach einer Frauenbrust nachempfunden. Seine Beweis-Zeichnung nennt Max Herert unbekümmert chauvihaft "Ferrari Tittarossa".
Ehrlichkeit und Mut zu ungeschminktem Realismus, das hält Herfert für die entscheidenden Merkmale seiner Bilder. Eine Kunstausbildung hat er nie genossen, hält er auch nicht für nötig. Entsprechend unterschiedlich in der Qualität sind seine Werke, die von schlichten Konturenzeichnungen bis zu ausdrucksstarker Objektkunst, von Druckgraphik bis zur Holzskulptur reichen. Beim Gespräch nestelt er aus seiner Lederjacke eine in Tuch gehüllte, feinst gearbeitete Lindenholzbüste heraus. Die handwerkliche Perfektion bezahlte er freilich mit einer Blessur in der mächtigen Boxerhand: "Da mußte ich zwischendurch zum Nähen ins Krankenhaus".
Max Herferts zur Schau getragene Naivität täuscht. Sein so einfach wirkendes Bekenntnis, "Kämpfen ohne zu demütigen", ist nicht nur durch die Lebenserfahrung des Boxers und Familienvaters von drei Kindern unterfüttert, sondern durchaus auch intellektuell. Der 1953 als Maximilian Holger Berthold Herfert im Odenwald Geborene legte das beste Abitur seiner Schule in Hanau ab und studierte unter anderem evangelische Theologie und Philosophie, freilich ohne Berufsperspektive. Anders als viele ordnete er sich der scheinheiligen Gesellschaft nicht brav unter, sondern wählte seinen eigenen Weg, auf dem die Körperkraft mitzählt.
Auch sein Einzug in die Kunstszene ist selbstbestimmt und stemmt sich gegen alles Aufgeplusterte. Sein Einladungsfaltblatt, illustriert mit der unbekleideten durchtrainierten Rückfront des Künstlers, verhohnepiepelt lustig die üblichen Künstler-Biographieangaben, indem etwa ein Konzertbesuch als "Begegnung mit Jimi Hendrix in Frankfurt" auftaucht, die Schulzeit als "Studium bei Dr. Anton Wehner und Dr. Wolfgang Haseloff in Hanau" oder ein Urlaub als "Aufenthalt in Caorle/Italien". Für ein sinngebendes Zitat auf der Einladung erfand Max Herfert kurzerhand den Autor Maribault, der angeblich 1921 gesagt haben soll: "... ja, nennt mich nur einen Exhibitionisten - ich behauptete aber niemals ein Künstler zu sein! Die Kunst ist ohnehin am Ende - fin de siècle. Zurück bleibt nur das Flehen um Beachtung und Unsterblichkeit."
Monique Cantré
Seiten erstellt im Februar 96